Donnerstag, 19. September 2013

Pulices libidinosi

Auch die Frauen müssen wollen, ob sie wollen oder nicht …
Was hatte sich Vögmann alles anhören müssen! Im Vorstand saßen fast nur Männer und Männer waren stets darauf aus, beim Sex ihre Männlichkeit vorzuführen. Lieber halfen sie heimlich mit Chemie nach, als sich niederhängend zu blamieren. Doch was es da an Mitteln gab, hatten andere patentiert. Da konnte man nur hinterherhinken. Aber so dachten die Typen eben.
Dabei … die Pille zur Maximierung weiblicher Lust wäre doch eine wissenschaftliche Spitzenleistung gewesen. Doch war sie für den Konzern zum Reinfall geworden und er, der alte Forscherhase, zum Blitzableiter für Yuppiefrust. Er hätte es doch wissen müssen, zogen sie ihn auf: Entweder waren die Frauen wirklich bereit – dann brauchten sie keine Pillen – oder sie wollten nicht, dann wollten sie eben auch so eine Pille nicht. Ihre Gedanken müsse man(n) vorher auf den Intimbereich richten, möglichst unauffällig, ja, am besten ohne weibliches Wissen und Mitwirkung. Und dann feixten sie, als wäre er der Einzige, den man im Vorstand nicht ernst zu nehmen brauchte.
Was hatte Vögmann nicht alles unternommen. Er hatte seine Konten schon im Speicher des Locus, also des Local cultural Systems, was früher mal das Arbeitsamt gewesen war, abschmelzen sehen, bis er seine Frührente hätte beziehen dürfen. Aber da hatten sich diese Berufsjugendlichen verrechnet. Vögmann hatte lange nach passenden Partnern gesucht, und er hatte welche gefunden. Menschenflöhe (pulices irritans)! Diesen Tieren hatte die Natur einen Sinn mitgegeben für die zum Einstich geeigneten Körperstellen und einen Injektionsstoff gegen Blutgerinnung. Nur verursachte ihr Stich ein zum Kratzen schlimmes Jucken. Das schrie nach Forschung: Dieses Jucken, also, dieses Jucken musste sich doch wohl in ein lüsternes, wohliges Kribbeln verwandeln lassen, oder?
Ein paar genetische Veränderungen an den Flöhen blieben noch zu finden. Wie regte das männliche Forscherhirn die Vorstellung an, den Flöhen könnte der Vaginalbereich als bester Einstichort erscheinen! War das kein wichtiges Ziel? Vor allem eines, das dem Konzern einen kaum erschlossenen Markt eröffnete? Ob sich das nun die Frauen selbst antäten, um sich auf den Männerempfang vorzubereiten, oder ob die Männer die süßen Beißer auf die Frauen ansetzten, war doch für den Umsatz egal. Hauptsache, die Flöhe vermehrten sich nirgendwo anders als in den eigenen Produktionshallen. Die dafür nötige Technologie gab es längst.
Welch Erfolg: Erste Testflöhe spritzten ihren Wirtsfrauen einen Botenstoff, unter dessen Einwirkung den Probandinnen Liebessäfte sprudelten, dass es ein reines Badevergnügen war.
Das eröffnete einen Wettbewerb um den passenden Namen für die neuen Geschöpfe. Allein das Wort „Floh“ löste ja schon ein unangenehmes Jucken aus! So konnte man die versoffenen kleinen G-Punkt-Kenner wirklich nicht nennen, wenn sie jemand kaufen sollte. Aber „Lustos®“, ja, das klang gut. Dagegen konnte niemand etwas haben.
Vögmanns Team irrte. Maria hatte etwas dagegen. Maria hasste inzwischen das ganze Forschungsprojekt. Ihr heimlicher Geliebter Angelo war einer testgebissenen weiblichen Probandinnengruppe in die entfesselten Kräfte geraten – ein Anfall-Unfall. Man hatte die Damen zwar mühsam von Angelos Männlichkeit lösen können, doch die war nun durch nichts und niemanden wieder aufzurichten. Der ehemals tolle Liebhaber wollte das nicht eingestehen, sich nicht und der kaum lustosbedürftigen Maria gegenüber schon gar nicht. Immer „gerade jetzt“ wollte er angeblich gerade nicht, dabei war doch der Zusammenhang ganz offensichtlich.
In einem ersten Anflug von Hass hatte Maria die „Höllenflöhe“ umbringen wollen. Aber ein richtiger Skandal wäre sicher besser. Er würde das Projekt bestimmt platzen lassen. Oder aber, auch das lohnte den Einsatz, er beflügelte den Absatz, und dann konnte sie ja verkünden, dass es ihre Idee gewesen war.

Erst die Lustos der letzten Entwicklungsstufe mussten sich dann in ihrer Fortpflanzung steuern lassen. Das war Bedingung für ihre Marktreife. Terminatorflöhe, damit zu jedem Einsatz neue gekauft werden mussten. Die aktuelle Lustflohreihe vermehrte sich aber noch ungebremst hemmungslos. Maria brauchte deshalb nur wenige Exemplare aus dem Forschungsbereich zu schmuggeln, um sie in einem Brutkasten mit Speziallösung zu einer gewaltigen Lustoskugel aufquellen zu lassen. ...

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